Erinnerung an die „Ehren“-Mordopfer zum neunten Todestag von Morsal Obeidi

Grab Morsal Obeide. Foto: © TERRE DES FEMMES e.V.Grab von Morsal Obeide. Foto: © TERRE DES FEMMES e.V.Am Montag, den 15. Mai 2017 jährt sich zum neunten Mal der „Ehren“-Mord an Morsal Obeidi in Hamburg. Die 16-jährige Deutsch-Afghanin wurde von ihrem Bruder Ahmad mit 23 Messerstichen getötet.

Weil sich Morsal den patriarchalischen Lebensvorstellungen ihrer Familie nicht beugen und ein selbstbestimmtes Leben führen wollte, kam es immer wieder zu gewalttätigen Konflikten innerhalb der Familie, insbesondere mit ihrem Bruder Ahmad und ihrem Vater. Die letzten zwei Jahre vor ihrem Tod floh sie mehrfach in Einrichtungen der Kinder- und Jugendnothilfe, doch kehrte immer wieder zu ihrer Familie zurück. Ihre Ermordung war der Abschluss einer langen Leidensgeschichte. Am 13. Februar 2009 verurteilte das Hamburger Landgericht Ahmad Obeidi wegen heimtückischen Mordes zu lebenslanger Haft.

Zum neunten Todestag von Morsal Obeidi möchte TERRE DES FEMMES den „Ehren“-Mordopfern gedenken und daran erinnern, dass Morsals Tod kein Einzelfall war und der Handlungsbedarf immer noch sehr groß ist. In Deutschland sind viele junge Frauen, die eine vermeintliche Familienehre verletzt haben, welche in Wahrheit der Erhaltung traditionell-patriarchalischer Normen und Machtverhältnisse dient, anhaltend der Gewalt und Unterdrückung ausgesetzt.

Um darauf aufmerksam zu machen und anlässlich des Gedenkens an den Tod von Hatun Sürücü, die 2005 mit 23 Jahren von ihrem Bruder auf offener Straße erschossen wurde, verlas TERRE DES FEMMES am 7. Februar 2017 die Namen derjenigen Frauen und Männer, die im vergangenen Jahr im Namen der Ehre ermordet wurden: acht Schicksale, versuchte Tötungen nicht mitgezählt. Von einer sehr viel größeren Dunkelziffer ist auszugehen.

Um die archaischen Wertvorstellungen der „Familienehre“ aufzubrechen und Bedrohte besser zu schützen, fordern wir deutlich mehr Anstrengungen von der Politik. Neben gesetzlichen Regelungen braucht es zudem unbedingt auch Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen. Lehrkräfte sowie die MitarbeiterInnen von Behörden wie Jugendamt und Polizei müssen sensibilisiert und geschult werden, damit junge Frauen nicht das gleiche Schicksal ereilt wie Morsal; sichere Schutzeinrichtungen, in denen bedrohte Mädchen und junge Frauen Zuflucht finden können, müssen bundesweit geschaffen werden; veraltete, patriarchale Strukturen, denen sich zum Teil auch Männer unterworfen fühlen, müssen aufgebrochen werden!

 

Stand: 05/2017

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