„Endlich können wir über Themen sprechen, die sonst im Schulalltag nicht vorkommen!“ – Abschluss des Schultheaterprojekts zu Gewalt im Namen der Ehre in Hessen

Marilena Weichert und Canan Kir von "Mensch:Theater!". Foto: © Hesssiches KultusminsiteriumMarilena Weichert und Canan Kir von "Mensch:Theater!". Foto: © Hesssiches KultusminsiteriumVon Juni bis September 2017 wurde unser interaktives Schultheaterstück „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“ erstmalig auch an Schulen in Hessen aufgeführt. Mehr als 700 SchülerInnen, die sich 62 verschiedenen Nationalitäten angehörig fühlen, sahen das Stück zum Thema Gewalt im Namen der Ehre und nahmen an den anschließenden Vertiefungsworkshops teil. Die Aufführungen in Hessen wurden von TERRE DES FEMMES in Kooperation mit dem Theaterensemble von Mensch: Theater! und der Darmstädter Beratungsstelle Mäander e.V realisiert. Finanziert wurde das Projekt durch das Hessische Kultusministerium sowie das Hessische Ministerium des Innern und für Sport (Netzwerk gegen Gewalt).

Inhalt des Stücks

„Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“ ist ein Theaterstück zur Prävention von Gewalt im Namen der Ehre und Zwangsheirat. In den einzelnen Szenen werden Themen und Konflikte behandelt, unter denen besonders Jugendliche aus patriarchal geprägten Familien leiden: Kontrolle durch Familienmitglieder, Isolierung von den MitschülerInnen, Verbot von Liebesbeziehungen, Ächtung von Homosexualität, Sorge um den Verlust der Jungfräulichkeit oder Zwangsverheiratung. Anschaulich und ohne Tabus stellen die SchauspielerInnen Szenen dar, die viele der zuschauenden Jugendlichen aus ihrem eigenen Leben kennen.

Das besondere an dem Theaterstück: Während der Aufführung der einzelnen Szenen werden immer wieder Moderationspausen eingelegt während derer die SchülerInnen das Gesehene reflektieren und diskutieren können. Und auch der Ausgang der Szenen steht nicht fest, denn die SchülerInnen können den Verlauf des Stücks aktiv beeinflussen. Gemeinsam mit den SchauspielerInnen suchen sie Lösungsansätze für die dargestellten Konflikte und können ihre Ideen sogar selbst auf der Bühne ausprobieren. In den an das Stück anknüpfenden Workshops haben die SchülerInnen in Kleingruppen die Möglichkeit, über die Themen, die sie verstärkt beschäftigen, ausführlicher zu diskutieren und erhalten Informationen zu Unterstützungs- und Beratungsmöglichkeiten.

Reaktionen der ZuschauerInnen

Tobias Gerstner und Canan Kir von "Mensch: Theater!". Foto:  © TERRE DES FEMMESTobias Gerstner und Canan Kir von "Mensch: Theater!". Foto: © TERRE DES FEMMESDie direkten Reaktionen der SchülerInnen und die ausgefüllten Fragebögen zeigen, dass das Theaterstück und die anschließenden Workshops  von der  Mehrheit der SchülerInnen sehr positiv aufgenommen wurden. So bewerteten 552 SchülerInnen das Stück als sehr gut oder gut (entspricht 95% der gemachten Angaben in diesem Bereich), 482 beantworteten die Frage, ob sie die Arbeit in den Workshops interessant fanden mit ja und eher ja (87% der Angaben). Eine deutliche Mehrheit der SchülerInnen fand die verschiedenen Themen der Szenen interessant und realistisch. Hier geht es zur detaillierten Auswertung der Fragebögen für SchülerInnen und Lehrkräfte/SchulsozialarbeiterInnen (PDF-Datei).

„Endlich konnten wir über solche Themen sprechen, die sonst im Schulalltag nicht vorkommen!“, äußerte sich eine der Schülerinnen begeistert. Viele weitere Anmerkungen zielten in eine ähnliche Richtung. Es wurde wiederholt betont, wie tabubehaftet sonst oft Themen, wie Ehre, Homosexualität oder Jungfräulichkeit seien. „Für manche waren die Themen unangenehm, aber ich bin froh, dass wir so offen und direkt sprechen konnten“, merkte ein Schüler nach dem Workshop an. Auch hat sich gezeigt, dass viele der SchülerInnen die dargestellten Problematiken aus ihrem eigenen Leben kennen. Die verschiedenen Szenen des Stücks wurden seitens der SchülerInnen alle zu mindestens 80% als realistisch bewertet.

Besuch des Hessischen Kultusministers

Der Hessische Kultusminister Prof. Dr. Lorz ( 4.v.l.) zu Besuch bei einer Theateraufführung an einer Schule in Offenbach. Foto: © Hessisches Kultusminsterium Der Hessische Kultusminister Prof. Dr. Lorz ( 4.v.l.) zu Besuch bei einer Theateraufführung an einer Schule in Offenbach. Foto: © Hessisches Kultusminsterium Bei der Theateraufführung an der August-Bebel-Schule in Offenbach machte sich der hessische Kultusminister Prof. Dr. Lorz selbst ein Bild von der Inszenierung. Ein Artikel der Offenbacher Post (PDF-Datei) über die Veranstaltung berichtet ausführlich. Begeistert lobt Lorz den kreativen Beitrag von TERRE DES FEMMES zur Gewaltprävention und betont, wie wichtig solche Projekte sind: „Uns ist es wichtig, Schülerinnen und Schüler für die Themen Zwangsheirat und Gewalt im Namen der Ehre zu sensibilisieren. Zwangsverheiratung ist eine Straftat, gegen die man sich erfolgreich zur Wehr setzen kann. Doch das ist vielen Jugendlichen nicht bewusst. Wir fördern daher innovative Projekte wie das Theaterstück von TERRE DES FEMMES, um auf diesem Wege gezielt Aufklärungs- und Präventionsarbeit zu leisten.“, sagte Lorz.

Entsprechend bemühen wir uns um eine künftige Weiterfinanzierung des Theaterprojektes, so dass auch weiterhin SchülerInnen rund um das Thema Gewalt im Namen der Ehre informiert, sensibilisiert und unterstützt werden können.

Stand 09/2017

 

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