Urteilsverkündung: „Ehren“- Mord an Arzu Özmen

Irmingard Schewe-Gerigk, Vorstandsvorsitzende von TERRE DES FEMMES, bei der Mahnwache für Arzu Özmen, Foto: Seda Hagemann, Lippische LandeszeitungIrmingard Schewe-Gerigk, Vorstandsvorsitzende von TERRE DES FEMMES, bei der Mahnwache für Arzu Özmen,
Foto: Seda Hagemann,
Lippische Landeszeitung
Am Mittwoch, den 16. Mai 2012 wurden die Urteile im Fall Arzu Özmen verkündet. Von den fünf Geschwistern wurde Osman Özmen wegen Mordes zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt. Sirin und Kirer Özmen bekamen zehn Jahre wegen Beihilfe zum Mord, Kemal und Elvis Özmen fünf Jahre und sechs Monate. Der Richter sprach von einem sogenannten Ehrenmord.

TERRE DES FEMMES begrüßt ausdrücklich die Verurteilung wegen Mordes bzw. Beihilfe zum Mord. Die Darstellungen der Angeklagten, es habe sich um eine Tat im Affekt gehandelt, waren nicht glaubwürdig. Das Urteil macht ebenfalls deutlich, dass „Ehren“-Morde in der Regel gemeinschaftlich beschlossen, zumindest stillschweigend von der Familie gebilligt werden. Daher ist es folgerichtig, dass alle fünf Angeklagten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden.

Irmingard Schewe-Gerigk, Vorstandsvorsitzende von TERRE DES FEMMES, hofft auf eine Signalwirkung, die von diesem Urteil ausgeht: „Für Mord gibt es keine Entschuldigung, keine Rechtfertigung. Jede Person, die an der Planung oder Durchführung eines Mordes beteiligt ist, trifft die volle Härte des Gesetzes.“

Sowohl zu Prozessbeginn als auch zum Prozessende setzten TERRE DES FEMMES und Peri e.V. mit einer stillen Mahnwache vor dem Landgericht Detmold ein Zeichen gegen überkommene Ehrvorstellungen. TERRE DES FEMMES berichtete zudem vor Ort live über die Verhandlung via Twitter.

„‚Ehren’-Morde sind als Morde aus niederen Beweggründen zu ahnden, wie es der Bundesgerichtshof bereits 1995 entschieden hat. Die TäterInnen dürfen vor deutschen Gerichten aufgrund ihres kulturellen Hintergrunds keinen Kulturbonus erhalten!“, mahnte Serap Cileli, erste Vorsitzende von Peri e.V. in ihrer Rede bei der ersten Mahnwache am 30. April 2012. Arzu Özmen wurde im November 2011 von ihrer eigenen Familie verschleppt und mit mehreren Schüssen brutal ermordet.

Irmingard Schewe-Gerigk appellierte zudem an die Länder und Kommunen, für einen erhöhten Datenschutz der von sogenannten Ehrenmorden bedrohten Frauen zu sorgen. „Ohne behördeninterne Verschlüsselung können Verwaltungsangestellte an die Daten der Betroffenen gelangen. Dadurch wird das Leben der Frauen aufs Spiel gesetzt.“

Zwar ist es möglich, eine zweijährige Auskunftssperre zu erwirken, damit die Behörden personenbezogene Daten nicht nach außen geben, doch muss dafür ein schriftlicher Beleg der Gefährdungssituation vorliegen. Persönliche oder telefonische Morddrohungen zählen nicht als Beweis, obwohl diese die Regel sind. „Auskunftssperren müssen unbefristet gelten und dürfen nur auf Wunsch der bedrohten Person aufgehoben werden. Der Schutz dieser Frauen muss oberste Priorität haben", fordern deshalb TERRE DES FEMMES und Peri e.V.

Mahnwache zum Prozessende des sogenannten Ehrenmordes an Arzu Özmen vor dem Landgericht Detmold (links Bundestagsabgeordnete Ute Koczy, Bündnis 90/Die Grünen), Foto ©: Sirin ÖztürkMahnwache am 16.05.2012 zum Prozessende  des sogenannten Ehrenmordes an Arzu Özmen vor dem Landgericht Detmold
(links Bundestagsabgeordnete Ute Koczy, Bündnis 90/Die Grünen),
Foto ©: Sirin Öztürk

Mahnwache am 16.05.2012 Mahnwache zum Prozessende des sogenannten Ehrenmordes an Arzu Özmen vor dem Landgericht Detmold, Foto ©: Sirin ÖztürkMahnwache am 16.05.2012 zum Prozessende des sogenannten Ehrenmordes an Arzu Özmen vor dem Landgericht Detmold, (rechts Bundestagsabgeordnete Ute Koczy, Bündnis 90/Die Grünen),
Foto ©: Sirin Öztürk

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