Brückenbenennung nach „Ehren“-Mordopfer Hatun Sürücü beschlossen

Nach jahrelangem Engagement feiert TERRE DES FEMMES einen großen Erfolg: Am 18. Juni nahm die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg den Antrag an, eine Brücke nach Hatun Sürücü zu benennen.

Die kurdischstämmige Hatun wurde 1982 als erste Tochter unter 9 Geschwistern in Berlin geboren. Als sie sich in der Pubertät immer mehr gegen familiäre Zwänge auflehnte, wurde sie im Alter von 16 Jahren in Istanbul mit ihrem Cousin zwangsverheiratet. Nach Streitigkeiten mit ihrem Ehemann und seiner Familie kehrte sie jedoch, schwanger mit ihrem ersten Kind, nach Berlin zurück. Dort zog sie in eine eigene Wohnung, holte ihren Hauptschulabschluss nach und schloss eine Lehre zur Elektroinstallateurin ab.

Hatun Sürücü war eine starke und mutige Frau, die gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn ein selbstbestimmtes Leben lebte – bis zum 7. Februar 2005. An diesem Tag, nur wenige Tage vor ihrer Gesellinnenprüfung, wurde sie an einer Bushaltestelle in der Oberlandstraße von ihrem Bruder Ayhan mit drei Kopfschüssen getötet. Er konnte ihren selbstbestimmten Lebensstil nicht dulden und wollte durch den Mord die vermeintliche Ehre der Familie wiederherstellen. Ayhan Sürücü wurde daraufhin zu einer Jugendstrafe von neun Jahren und drei Monaten verurteilt. Der „Ehren“-Mord sorgte bundesweit für Entsetzen und löste eine Debatte über Zwangsverheiratung und überholte Wertvorstellungen aus.

TERRE DES FEMMES hält seitdem die Erinnerung an Hatun Sürücü wach. Am 7. Februar 2013 beteiligte sich TERRE DES FEMMES wie in den vorigen Jahren an der Mahnwache des Bezirks Tempelhof-Schöneberg zum achten Todestag von Hatun Sürücü. Jährlich wird so dem Mut der jungen Frau mit Kranzniederlegungen, stillen Gedenken und Reden gedacht.

TERRE DES FEMMES fordert seit vielen Jahren, eine Straße oder Brücke nach Hatun Sürücü zu benennen, um nicht nur punktuell an ihr Schicksal zu erinnern, das für unzählige Mädchen und Frauen steht, die unter Gewalt leiden und sich dagegen wehren. Durch eine Straßen- bzw. Brückenbenennung wird dauerhaft erinnert und gemahnt.

Nun ist in unmittelbarer Nähe zum Tatort eine neue Brücke zwischen der Oberlandstraße und dem Tempelhofer Feld geplant. So beantragte die CDU-Fraktion am 20. Februar 2013 bei der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg, diese nach Hatun Sürücü zu benennen.
TERRE DES FEMMES und der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) sammelten daraufhin über 250 Unterschriften von UnterstützerInnen der Brückenbenennung. Diese wurden am 2. Mai 2013 dem zuständigen Ausschuss für Bildung und Kultur übergeben, der sich nach Redebeiträgen von VertreterInnen der beiden Organisationen für den Antrag aussprach.

Nun hat auch das übergeordnete Gremium, die BVV, dem Antrag zugestimmt – worüber TERRE DES FEMMES nach dem jahrelangen Einsatz für eine dauerhafte Erinnerung an Hatun Sürücü sehr glücklich ist.

Nach Auskunft von Daniel Krüger, Bezirksstadtrat für Bauwesen, liegt die abschließende Zuständigkeit für die Benennung einer Brücke bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Der Bezirk, in dem sich das Bauwerk befindet, ist dabei anzuhören. Eine endgültige Entscheidung des Senats bleibt also noch abzuwarten.

Wir fordern Politik und Verwaltung daher auf, die Benennung der geplanten Brücke nach Hatun Sürücü konsequent weiterzuverfolgen.

 

 

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