Survivors’ Netzwerk zu Gewalt im Namen der Ehre erfolgreich eingerichtet!

Seit Jahren beschäftigt TERRE DES FEMMES die Frage, wie die Betroffenen von Gewalt im Namen der Ehre eine Stimme bekommen können, wenn sie aus Schutzgründen ein Leben in Anonymität leben müssen. In einem ersten Schritt wurden 2012 persönliche Blogs von Überlebenden von Gewalt im Namen der Ehre auf unserem Jugendportal www.zwangsheirat.de veröffentlicht.

 „Damals, als das alles angefangen hat, habe ich mich gefragt:
Gibt es andere, denen es auch so geht? Wo sind sie, wieso sehe ich sie nicht?

(Teilnehmerin)

Um dem Bedürfnis vieler Betroffener Rechnung zu tragen, mit ihren Erfahrungen nicht alleine zu bleiben, hat TERRE DES FEMMES im Herbst 2013 und im Frühjahr 2014 zwei Workshops veranstaltet. Eingeladen wurden Menschen, die bereits für das Jugendportal geschrieben haben oder Interesse daran äußerten, sich zukünftig mit ihren persönlichen Erfahrungen und Meinungen zu Gewalt im Namen der Ehre und Zwangsheirat einzubringen.

Ein alltägliches Problem von Betroffenen von Gewalt im Namen der Ehre ist, dass sie mit ihrer Biographie immer heimlich umgehen müssen. Jedes Anvertrauen muss sorgfältig abgewogen werden, um sich selbst oder andere nicht zu gefährden. Und auch wenn sie sich jemandem anvertrauen, ernten sie oft Entsetzen über ihre „unglaubliche“ Geschichte. Das Zusammentreffen mit Menschen, denen ähnliches passiert ist - in einem geschützten Raum – ermöglichte ihnen neue Erfahrungen:

Ich hab mir zuerst gedacht, es wird mir bestimmt peinlich sein, war mir gar nicht sicher,
wie ich das rüberbringen soll. Aber dadurch, dass wir alle eine ähnliche Geschichte haben,
fühlt man sich sofort irgendwie verstanden. Dann kann man auch Informationen über sich
preisgeben, die man in seiner neu geschaffenen Welt nicht preisgibt.

(Teilnehmerin)

Allen Teilnehmenden ging es aber um weit mehr als einen persönlichen Erfahrungsaustausch. Sie wollen mitreden, mitgestalten und die gesellschaftliche Wahrnehmung und die Politik zu Gewalt im Namen der Ehre beeinflussen.

Ich freue mich über diese Plattform. Uns einfach einen Raum zu geben, der für
uns wichtig ist. Wo jede sich vorstellen kann, wie sie möchte, in ihrem Bereich,
und jede von uns ihre Message geben kann.

(Teilnehmerin)

Im Erfahrungsschatz aller Beteiligten zeigte sich ein riesiges ExpertInnenwissen. Dieses wird kontinuierlich in die konzeptionelle und beraterische Arbeit von TERRE DES FEMMES einfließen.

Ablauf und Ergebnisse der Workshops:

Beim ersten Workshop gab Anne Wizorek (Internetaktivistin) als externe Referentin einen Überblick über die verschiedenen Formen, Möglichkeiten und Grenzen von Blogs. Aufbauend auf diesem Input und den bisherigen Erfahrungen der Teilnehmenden wurde gemeinsam ein Konzept erarbeitet. Nach dem Abwägen verschiedener Sicherheitsrisiken entschieden sich alle Beteiligten gegen die Idee eines offenen Forums im Jugendportal. Zwar hätten sich viele in der Vergangenheit so etwas gewünscht, aber in der Diskussion wurde schnell klar, dass die Risiken für Betroffene überwiegen.

Ausgehend von folgenden Fragen wurden Themen und Rubriken für das Jugendportal formuliert.

  • Was wollte ich wissen, als ich Gewalt im Namen der Ehre ausgesetzt war?
  • Was waren meine Ängste und meine Hoffnungen?
  • Was hätte mich ermutigt?
  • Was hätte ich gebraucht?

Auch die kreativen Fähigkeiten der Beteiligten waren gefragt. Die TeilnehmerInnen haben verschiedene Texte geschrieben und Grafiken gemalt. Alle Workshopergebnisse, insbesondere die Gedichte, Kurzgeschichte, Satiren und Bilder werden - nach einem Ausbau des Jugendportals - der Öffentlichkeit einen erweiterten Blick auf Gewalt im Namen der Ehre geben.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ganz herzlich für ihre wertvolle Arbeit und Unterstützung!

Foto: © TERRE DES FEMMES

Foto: © TERRE DES FEMMES

Wir bedanken uns auch bei der World Childhood Foundation, die das 1-jährige Projekt „Vernetzung und Betreuung der Bloggerinnen und Erstellung eines Forums für die Jugendplattform gegen Zwangsverheiratung“ finanziell gefördert hat.

 

Beratungsstellenfinder
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